Der Baum

Nimmst du mich mit, fragt sie, während er vor ihr steht, hell beschienen vom Universum mit all seinen Leuchtkugeln. Er kann nicht sprechen, denn er hat es verlernt. Eine Antwort bleibt aus, aber das wusste sie schon vorher. Dann geht er los. Ganz langsam setzt er einen Fuß vor den anderen und bei jedem Schritt erlischt irgendwo eine Kugel, für immer, bis es ganz dunkel ist. Bis sie ihn nicht mehr sehen kann.

Sie kann nicht gehen, sie hat es verlernt. Ganz tief stecken ihre Beine in der Erde. Sie ist fest verwurzelt mit der Welt. Ab und zu, wenn sie sich nach etwas streckt, um es zu greifen und für Momente festzuhalten, spürt sie die kalte Erde um sich herum. Bräunlich, weich und fest zugleich schmiegt sie sich an ihre Beine. Dann bückt sie sich so gut es geht und gräbt ihre Finger tief in das braune Wirkliche. Da bäumt sich etwas in ihr auf, regt sich mit einer Kraft, die nicht ihre ist. Sie wird ganz unbeweglich und wächst von innen nach außen.

Dort wo sie stand, steht jetzt ein zweigeteiltes Wesen. Die zierlichen Wurzeln fest verankert, windet sich ein dicker holziger Stamm aus der Erde. An den Spitzen hängen grünlich schimmernde Blätter, die sich sacht bewegen, wenn einer daran vorbeigeht.

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